Archiv für Juni 2007

DIE G(8)EWALT

Gewaltmonopol des Staates und dessen vielfältiger Gebrauch hat noch keinen Staat daran gehindert, die Ausübung von Gewalt den anderen in die Schuhe zu schieben… … Gewalt wird den sozialen Bewegungen zugeschrieben

GEWALTGIER, SPEKTAKEL UND BUSINESS
Spätestens zum Startpunkt der ersten Aktionen gegen den diesjährigen G8-Gipfel in Heilligendamm, aber eher schon im Vorfeld, werden uns die (korporativen) Medien wieder mit dem Begriff GEWALT massiv bombardieren. Das haben wir in den letzten Jahren zu oft erlebt, um es diesmal nicht voraussagen zu können. Man kann sich aber fragen, was das ist, was den Medien so eine große Freude bereitet, jedem sozialen Protest ein Gesicht eines Gewalt-Spektakels anzukleben und damit die Gewalt wie eine Ware zu reproduzieren. Die Antwort auf diese Frage könnte auf mehreren Seiten ausführlich erklärt werden, doch vielleicht reicht als Einstieg für weitere Überlegungen eine kurze Feststellung:

Im Zusammenhang der sozialen Proteste von Gewalt zu berichten, macht die Berichterstattung zur Sensation und das Ereignis selber zu einem dramatischen Spektakel. Da wir heute in einer Welt leben, in der damit viel Geld zu verdienen ist (und alles ist für ein Spektakel verwendbar: ein Bär namens Knud, ein Fußballspiel, oder auch Anti-G8-Proteste) ist die Motivation der Medien durchschaubar: Als gewinnorientierte Privatunternehmen wollen sie möglichst viel Geld verdienen Und dieses Geld verdienen sie nicht damit, weil du am Kiosk für die Zeitung 50 oder 80 Cent zahlst. Sie verdienen ihr Geld, weil ihre Kumpels aus der Wirtschaft für große Werbeanzeigen viel bezahlen. Aber welcher Unternehmer ist so blöd, seine Werbung in eine Zeitung zu stellen, in der sehr kritisch z.B. über die Arbeitsbedingungen dieses Unternehmens berichtet wird? Das wäre ein Bruch in der Kumpelei, die Kumpels wären keine Kumpels mehr , und die Medien würden keine Gewinne mehr machen. Der Verzicht auf Spektakelproduktion , d.h. eine kritische und tiefgreifende Präsentation von Gründen der sozialen Proteste, würde sich nicht nur auf die direkten Verkaufszahlen auswirken – es würde auch das gegenseitige Zusammenherrschen der Medien-Inhaber mit den politisch-ökonomischen Eliten erschüttern. und das würde beiden schaden. Damit ist klar, warum die Medien so gewaltgeil sind, und warum sie damit Politik machen. Und wir wissen, aus welcher Perspektive wir ihre Berichterstattung betrachten müssen, gerade wenn sie ihre Spektakelgewalt bald wieder aufbauen.
Jedoch unabhängig davon wer, wie viel und warum durch die Gewalt-Ausstrahlung verdienen kann, bleibt doch die grundsätzliche Frage der Definition des Begriffs und der Ursprung der „Gewalt“ an sich. Also die Frage, wer, wie und warum die Gewalt produziert und wie sie definiert werden soll, ob es einen Ort, eine Struktur gibt, wo die Gewalt zuhause ist.
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