STREIK! STREIK! STREIK!

Ein Streik bedeutet das Unterlassen der Produktion – Arbeit – von den Produzent_innen – Arbeiter_innen – meist ohne die Zustimmung der sogenannten Arbeitgeber, Vorgesetzten, Chefs, Manager, Vorstandsvorsitzenden etc.- im Folgenden als Ausbeuter zusammengefasst.
Unter Produzent_innen verstehen wir nicht nur jene, die Produkte des Verbrauchs bzw. täglichen Bedarfs herstellen, sondern auch jene, die dafür sorgen, dass es Kinderbetreuung (Bildung), eine neue Frisur oder leere Mülltonnen gibt, Menschen von A nach B gefahren werden, jede_r bei Krankheit behandelt wird usw.
Alle diejenigen jedoch, die in irgendeiner Weise für den Staat „arbeiten“, wie z.b. Polizei, Armee, Ordnungsamt oder Arbeitsamt, verstehen wir nicht als Produzent_innen, sondern als Verwalter und Schützer eines Systems welches durch Ausbeutung und Unterdrückung erst funktioniert.

Wie ist es möglich einen Streik erfolgreich durchzuführen?

Sicherlich durch Solidarität untereinander. So ist es wichtig, dass bei einem Streik einer gewissen Branche oder eines bestimmten Betriebes ALLE die Arbeit niederlegen. Im besten Fall schließen sich weitere Betriebe oder Branchen gleich noch an, wie z.B. Zulieferbetriebe oder die Menschen die unmittelbar von einem Streik betroffen sind, wie z.B. Eltern bei KiTa-Streiks oder Bahnkunden bei Bahnstreiks. Je größer und branchenübergreifender ein Streik wird, desto stärker trifft es die Ausbeutenden, um so schneller müßen sie auf die Forderungen reagieren.

Je einiger sich die Produzent_innen sind, desto stärker sind sie.

In den meisten Fällen werden aber die Ausbeuter versuchen zu verhindern, dass ein Streik übergreift. So lassen sie dann z.B. den Streik medial als „unzumutbar für die Bevölkerung“ dastehen. Dabei sind sie darauf aus, Missgunst gegenüber den Streikenden entstehen zu lassen und somit Solidarität der Nicht-Streikenden mit den Streikenden von vornherein zu verhindern. Dann ist es für sie auch einfacher die Forderungen als „übertrieben“ zu bezeichnen und irgendwelche faulen Kompromisse zu entwickeln mit denen sie dann die Streikenden abspeisen wollen. Die Gefahr eines Generalstreiks ist in diesem Moment auch gebannt.

Wie bereits angedeutet ist ein Streik verbunden mit der Aufstellung verschiedener Forderungen seitens der Arbeiter_innen, die die jeweiligen Missstände beseitigen sollen unter welchen die Produzent_innen arbeiten. Die heute am meisten vertretene Forderung ist z.B. die Anhebung des Lohns – in Zeiten der Verteuerung von Lebensmitteln mehr als logisch. Aber auch die Arbeitszeiten, bzw. Mehrarbeitszeiten und die entsprechend gerechte Vergütung, sowie die Forderung nach Entlastung der Arbeitenden durch Einstellung weiterer Arbeiter_innen – „Schaffung neuer Arbeitsplätze“ – oder eben die Erhaltung bestehender Arbeitsplätze bei sogenannten „betriebsbedingten Entlassungen“ können zum Streikinhalt werden.

Produktionsausfall bedeutet Profitausfall!

Nicht nur, daß die Ausbeuter ihre Zustimmung nicht dazu geben, sie fürchten den Streik sogar und würden ohnehin nicht um ihre Zustimmung gebeten. So bringt das Ausbleiben der Produktion in einem bestimmten Betrieb keine Waren, die dem Markt zugeführt werden können und es bleiben somit alle Einnahmen des Betriebes auf der Strecke, inklusive dem Profit, an dem der Ausbeuter so sehr interessiert ist. Die Produzent_innen haben also eine ungeheure Macht den Ausbeutern gegenüber: Sie beschaffen ihnen den Reichtum…

Da der Ausbeuter ungern auf den Profit-Reichtum verzichtet, weil er sich damit sein Luxusleben finanziert, wird er versuchen den Streik so schnell wie möglich zu beenden.
Einerseits kann er in Verhandlungen mit den Arbeiter_innen, oder mit deren Vertretung: die Gewerkschaftsführung, treten, andererseits kann er versuchen Streikbrecher einzustellen, um so den Streik völlig sinnlos werden zu lassen. Die Produktion würde weiterlaufen und somit auch der Profit gesichert werden. Deshalb gilt es, während des Streiks die Betriebe zu besetzen und Streikposten aufzustellen, welche Streikbrecher gar nicht erst in den Betrieb lassen. Je nach dem, wie mächtig der bestreikte Betrieb ist, wird dann auch mal mit Polizeigewalt dafür gesorgt, daß die Streikbrecher in den Betrieb gelangen.

Den Streikbrechern müßte also klar werden oder klar gemacht werden, daß sie mit ihrer Tätigkeit nur dem Ausbeuter nutzen und sich gegen ihre Kolleg_innen und deren Forderungen stellen. Denn die Polizisten haben während der Befolgung eines solchen Befehls sowieso vergessen von wem sie eigentlich ernährt werden, wenn sie gegen die Menschen vorgeht, die durch ihre Lohnsteuer ihren sogenannten Beruf erst finanzieren.

Aber auch auf die schon erwähnten Verhandlungen zwischen Ausbeuter und Gewerkschaftsführung dürfen die Streikenden sich nicht verlassen. Die Geschichte zeigt, daß sich die Gewerkschaftsführung immer wieder gern auf irgendwelche faulen Kompromisse einläßt, denn ihre Posten und ihr Verdienst sind ja gesichert, egal ob der Streik erfolgreich ist oder nicht. Aber was soll mensch auch verlangen von Leuten die sich von der Basis der Gewerkschaft entfernt haben und zur Klasse der Ausbeuter aufgestiegen sind.

Das der Gewerkschaftsführung die Einheit der Arbeiter_innen im Insgesamten – also einen landes- bzw. weltweiten Genralstreik anzuzetteln – nicht sehr lieb ist, erkennt mensch an lokalpatriotischen Argumenten wie: „Der Betrieb „xy“ darf nicht in die Billiglohnländer abwandern, weil damit das Bruttoinlandsprodukt und somit der Gewinn „unseres“ Staates zurück ginge.“ Dabei wäre der Aufruf, den Streik auszuweiten, in eben das Land wo der Betrieb „xy“ abwandern will, unseres Erachtens der sinnvollere Weg, um die Arbeitsbedingungen auf der ganzen Welt zu verändern.

Streik ist für die Produzent_innen die einzige Art und Weise in dem System der Lohnarbeit, die Arbeitsbedingungen und damit die Lebensbedingungen zu verändern.

Der soziale Generalstreik

Der Generalstreik ist die allgemeine Arbeitseinstellung überall. Der Soziale Generalstreik hingegen ist das Kampfmittel der Unterdrückten, das die soziale Revolution einleitet. Generalstreik an sich ist in Deutschland verboten, während es in anderen Ländern erlaubt ist.

Generalstreik kann vieles bedeuten: Generalstreik einer Branche oder aber zum Beispiel der Generalstreik in einer Stadt oder der „politische Massenstreik“ zur Erzwingung eines Ziels (z.B. Freiheit für politische Gefangene oder Erkämpfung von Rechten gegenüber dem Staat).

Der „Soziale Generalstreik“ hingegen bedeutet die Einleitung radikaler Prozesse zur revolutionären Veränderung der Gesellschaft. Bis vor einigen Jahren war ja sogar Streik ein „UNWORT“ mit dem Gewerkschafter nur zu drohen brauchten, um ihre Forderungen durchzukriegen. Streik war lange Zeit gar verpönt. Mittlerweile geht es aber sogar schon um die „Erhaltung von Arbeitsplätzen oder ganzen Betrieben“, ja sogar das reine Existenzrecht von Gewerkschaften, die Streiks wieder nötig machten.

Oft hört mensch von unbescholtenen Arbeiter_Innen auf Streikdemos: „hoffentlich werden wir nicht verhaftet“. Streik scheint also für viele soetwas wie eine Art „Straßenkampf“ zu sein ohne das es gewalttätige oder militante Auseinandersetzungen gibt. Zur Zeit kämpfen alle produzierenden Gesellschaftsgruppen für sich: Im Sozialwesen, im Transport, auf dem Bau, an den Universitäten, in der Kommunikation und in den Medien. Ja sogar in „Arbeitslosenkreisen“ oder bei Mieter_Innen bekommt mensch gelegentlich das „böse Unwort“ Streik zu hören.

Ein Generalstreik ist nicht einfach eine bloße Verbindung all dieser Kämpfe verschiedener Branchen um unbedeutende Krümel des Kuchens gesellschafltichen Reichtums. Ein Generalstreik stellt die Machtfrage gegenüber Staat und Kapital!

Es wurde oft als die „sanfte Revolution“ bezeichnet, weil sie eine Errungenschaft gegenüber den Barrikadenkämpfen oder des „revolutionären Kriegskommunismus“ darstellten. Das aber wiederum nur in den Ländern mit fortgeschrittener industrieller Entwicklung und Gewährung bestimmter erkämpfter politischer Rechte. Denn wenn kein Strom mehr fließt, kein Öl mehr gefördert und raffiniert wird, kein Fahrzeug mehr fährt, kein Feld mehr beerntet wird, wird es Soldaten und Polizei sehr schwer fallen die „Ordnung aufrecht zu erhalten“, so die Theorie. Doch in der Praxis ging der Schuß oft nach hinten los.

Als Antwort auf einen Putsch nationalistischer Militäroffiziere der Reichswehr riefen Arbeiter-Parteien und Gewerkschaften 1920 zum Generalstreik auf, der sich in manchen Teilen Deutschlands zur Arbeiterrebellion entwickelte. Teilweise ließen Sozialdemokraten mit den selben putschistischen Freikorps und Reichswehreinheiten, die sie mit dem Generalstreik stoppen wollten einsetzen, um diese Arbeiter-“Aufstände“ niederzuschlagen. Wenn es also zum Generalstreik kam löste er in Deutschland eine Revolte aus, die blutig niedergeschlagen wurde.

Aber ein sozialer Generalstreik setzt eine ungeheure Solidarisierung breiter Schichten, nicht nur der arbeitenden Bevölkerung, vorraus, sondern auch eine internationale Solidarisierung. Letztlich wird ein weltweit geführter Generalstreik die soziale Revolution einleiten, das „Privateigentum an Produktionsmitteln“ aufheben und die Ausbeutung durch Arbeit beenden und in einer selbstorganisierten weltweiten Produktionsweise das kapitalistische System zerstören.

Dennoch unterscheidet sich der „soziale Generalstreik“ in wesentlichen Punkten von jedem normalen Streik:

„1. Während in jedem Lohnstreik die Streikenden notwendig Geld brauchen, um im Streik ausharren zu können, ist im sozialen Generalstreik jedes Geld unnötig und überflüssig, da doch nichts produziert wird und alle Läden gesperrt sind.“*

„2. Während jeder Lohnkampf-Streik, sei es auch der Generalstreik einer ganzen Branche, nur während einer „günstigen Geschäftskonjunktur“ auf Erfolg rechnen kann, hat der soziale Generalstreik die günstigsten Aussichten zur Zeit einer „schlechten Konjunktur“, d.h. einer ökonomischen Krise, die bekanntlich immer nur das Resultat der relativen Überproduktion ist.“*

Alle Märkte sind nämlich durch die Monopolisierung der Produktion und Konsumtion ausgeschöpft, es werden vielzuviel Waren produziert und dadurch die kapitalistischen Gewinne pro Ware weniger. Der allgemeine Warenwert an sich sinkt, da immer mehr von allem da ist. Da immer mehr Waren billiger weggehen ist der Markt bald erschöpft (teilweise wird ein Großteil der nichtverkauften Waren zerstört). Die Kapitalinvestitionen werden nicht wieder reingeholt und weniger oder keine Profite mehr gemacht. Da nun von vielen KONSUMENT_INNEN weniger gekauft werden kann, wird es noch teurer werden. Während immer mehr produziert wird, wird der Lohn aber durch das ansteigende Warenvolumen real weitersinken. Die PRODUZENT_INNEN bekommen aber nicht mehr Geld als vorher. Dadurch wiederum fällt aber die kapitalistische Profitrate aus dem Warenverkauf soweit, daß von dem „tendenziellen Fall der Profitrate“ gesprochen werden kann, d.h. das Geld was investiert wird kann nicht mal mehr angehäuft werden, sondern kommt nicht mehr rein.

Absurd daran ist, daß es der Überfluß an Produkten und Konsumgütern ist, an dem diese kapitalistische Gesellschaftsordnung dann zugrunde gehen könnte. Denn dieser Überfluß versorgt alle Streikenden und Unterstützer_Innen mit allem was sie während des Streiks brauchen. Die kapitalistische Herrschaft mit militärischer Gewalt aufrecht erhalten kann der Staat nur, wenn er es schafft, der eigenen Zerschlagung, durch die Zerschlagung der Streikbewegung, zuvor zukommen.

Die jeweiligen Gewerkschaften werden dann die Produktion neu organisieren müssen, aber das werden die Menschen dann entscheiden wenn sie soweit sind und es wollen.

Das Ziel kann nur eine Gesellschaft ohne Staat, Klassenherrschaft und Ausbeutung sein: Eine Gesellschaft der dezentralen, föderativen, gleichen und freien Vereinigung und freier Korperation der Produzent_Innen, die der Herrschafts- und Klassenlosigkeit, der ANARCHIE.

*“Der soziale Generalstreik, Arnold Roller; Texte des Anarchismus und Syndikalismus Band 2“

Streik! Streik! Streik! (pdf zum Drucken)

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