Archiv für Mai 2009

Nachruf auf Abel Paz

Am 8.10.2006 hatte die AFB zu einer Veranstaltung mit Abel Paz in das Haus der Demokratie geladen. Im gut gefüllten Robert-Havemann-Saal wurde mit ihm über die spanische Revolution, sein Leben im Untergrund und Exil während der Franco-Diktatur und Möglichkeiten anarchistischer Einflußnahme im Hier und Jetzt diskutiert.

Abel Paz hat selbst daran mitgewirkt, dass der Anarchismus – oder vielmehr der comunismo libertario, wie er ihn nannte – keine Utopie geblieben ist, sondern in Spanien von 1936 bis 1938 für kurze Zeit Wirklichkeit wurde. Diese Erfahrung hat er auf seinen Vortragsreisen mit vielen Interessierten geteilt und diskutiert. An keiner Stelle waren seine Ausführungen dabei ein nostalgischer Rückblick, sondern eine konzentrierte Auseinandersetzung damit, was es über die Jahre hinweg heisst, Anarchist zu sein. Der Anarchismus bedeutete für ihn eine Aufgabe, die sich jedem/r, der/die sich dafür entschieden hat, ständig aufs Neue im Leben stellt. Dies wiederum hatte bei Abel Paz an keiner Stelle etwas Schwärmerisches, sondern orientierte sich an der „harten Realität“, die immer noch von Herrschaft und Ausbeutung bestimmt ist. Und wer daran etwas ändern wolle, werde sich darauf mit anderen zusammen vorbereiten müssen, den Staat abzuschaffen und sich die Produktion anzueignen. Beeindruckt hat bei Abel Paz vor allem, mit welcher Leidenschaft er sich trotz seines hohen Alters, diesen Aufgaben bis zuletzt stellte. Abel Paz ist am Ostermontag im Alter von 87 Jahren in Barcelona gestorben.
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