Archiv für Mai 2014

Irgendwann merkt man immer, wenn’s das war …

„Irgendwann merkt man immer, wenn’s das war …“ (Oma Hans)

Hiermit gibt die Anarchistische Föderation Berlin (AFB) ihre Auflösung bekannt.

AFB Bär Die AFB wurde in der Walpurgisnacht 2006 gegründet und war der Versuch einer Vernetzung anarchistischer Strukturen und Personen in Berlin – ein Ziel, das zeitweilig mehr, während längerer Phasen weniger erreicht wurde. Statt einer Vernetzung, die hauptsächlich von Gruppierungen getragen wurde, spielte sie häufig die Rolle einer Metastruktur von Einzelpersonen und wenigen Delegierten.

Im Laufe der acht Jahre ihres Bestehens wurden zahlreiche Projekte initiiert, die regional und überregional Bedeutung erlangten. Dazu gehören das „Dokument A – Anarchistische Jahrbuch“, das ursprünglich als Rückblick auf die anarchistischen Aktivitäten in Berlin von 2007 von der Gruppe „AnarchistInnen aus deiner Umgebung“ (Anadu) initiiert wurde. Es erschien bis zum Rückblick auf 2012 insgesamt sechs Mal, wobei die Zusammenstellung alljährlich tatkräftig von der AFB unterstützt wurde.

In Kooperation mit der Soligruppe „Atenco Resiste“ gelang es der Föderation im Januar 2007, ein Treffen des damaligen mexikanischen Präsidenten Calderón mit Wirtschaftsleuten im „Haus der deutschen Wirtschaft“ in Berlin zu verhindern. Der mexikanische Präsident der rechten PAN-Partei sagte die Feierlichkeiten aufgrund einer Demonstrationen aus „Sicherheitsgründen“ ab.

2009 wurde ein kontroverser anarchistischer Kongress in Berlin ausgerichtet, der bis zu 500 Menschen in die Stadt lockte und trotz einer medial herbeigeführten Verweigerung der Räume in der Technischen Universität unter prekäreren Bedingungen in der New Yorck im Bethanien durchgeführt wurde.

Jahrelang dienten von der AFB organisierte offene anarchistische Stammtische (zwei Mal im Monat) als Anlaufpunkt für später weiter in anderen anarchistischen Strukturen aktive Menschen.

Die Umstrukturierung zur Mini-Föderation in 2010 führte zur Bildung neuer Gruppen, die zum Teil bis heute noch aktiv sind (A-Radio Berlin und GruppeX mit ihrem Reader „Game over – Politisch aktiv, ohne kaputtzugehen“).

Ab 2010/11 war die AFB schließlich stark am Aufbau bzw. der Erneuerung überregionaler Vernetzungsstrukturen im Rahmen der heutigen „Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen“ (FdA) beteiligt.

Im Mai 2014 gab die Föderation das An­ar­chis­ti­sche Wör­ter­buch heraus, ein Nachschlagewerk für alle, die mehr über anarchistische Theorie und Praxis erfahren möchten.

In der letzten Zeit wurde die AFB allerdings lange Zeit nur von einer Handvoll Menschen getragen, die besonders in den letzten Monaten ihre wenigen freien Kapazitäten lieber in Hausprojekte, Kiezinitiativen und Basisgruppen gesteckt haben und dort, wie auch in Mediengruppen, zukünftig verstärkt tätig sein werden.

Die AFB als Struktur der sowieso privat bekannten Menschen aufrecht zu erhalten, scheint vor diesem Hintergrund nicht sinnvoll. Daher wurde auf dem Plenum am 4. Mai 2014 die Auflösung der AFB beschlossen.

Wir danken allen, die uns die letzten acht Jahre mit Tatkraft und Sympathie unterstützt haben!

Wir halten weiterhin an der Idee fest, dass eine kontinuierliche Vernetzung libertärer Gruppen in Berlin und darüber hinaus sinnvoll ist. Wir wünschen allen zukünftigen derartigen Projekten viel Kraft!

Anarchistisches Wörterbuch erschienen

Trotz Tiefschlafphase ist die AFB nochmal aufgewacht und publizistisch tätig geworden: Als Herausgeber*in des Anarchistischen Wörterbuchs.

a-woerterbuchDie anarchistische Bewegung besetzt nur eine kleine gesellschaft­liche Nische, weshalb ihre Theorien und Praktiken und damit einhergehende Fachwörter nicht sonderlich verbreitet sind. Das Anarchistische Wörterbuch will hierbei Abhilfe schaffen.
In über 350 Begriffserklärungen (mit zusätzlichen Zitaten über­wiegend mehr oder weniger bekannter Anarchist*innen) werden für Aktivist*innen und Interessierte Begriffe kurz erläutert: etwa die unterschiedlichen anarchistischen Strömungen, einige Organisierungs- und Aktionsansätze, verschiedene Erscheinungsformen von Unterdrückung und Dis­kriminierung sowie weitere Begriffe aus Teilbereichen anarchistischer und emanzipa­torischer Politik im Allgemeinen. Darüber hinaus will das Wörterbuch eine Diskussion anregen, die von einzelnen Begriffsdefinitionen ausgehend helfen soll, anarchistische Theorie und Analyse zu verfestigen.

Zu beziehen über jeden gut sortierten Büchertisch, Info- und Buchladen oder direkt über den Verlag.

Marcos Denegro | Anarchistische Föderation Berlin [AFB]
Anarchistisches Wörterbuch
Eine Orientierungshilfe durch den Begriffsdschungel anarchistischer und emanzipatorischer Bewegungen
144 Seiten | 12,80 Euro [D] | ISBN 978-3-942885-47-8

www. edition-assemblage.de | a-woerterbuch@riseup.net

Mehr zum „Anarchistschen Wörterbuch“ gibts auch auf der Website der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen – FdA, die dieses Buchprojekt unterstützt.