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Schulstreik am 13.09.2006 – Redebeitrag

Unsere alltäglichen Erfahrungen in Schule und Gesellschaft zeigen uns eines ganz deutlich. Im Schulwesen, und nicht nur dort, sind tiefgreifende Veränderungen längst überfällig. In der Grund- und Oberschule werden wir bewusst nach unserer Leistungsfähigkeit, also unserem potentiellen Nutzen für das System eingeteilt, ohne Rücksicht auf Person und Individualität eines jeden Menschen. Um den werdenden Menschen schon von Anfang an, an die intensiven Zwangsmechanismen des späteren gesellschaftlichen Lebens zu gewöhnen, wird durch Zensuren ein Leistungsdruck aufgebaut. Die ständige Bewertung prägt und ist später ja so unheimlich praktisch für den Arbeitsmarkt.
Die autoritäre Macht des Lehrers bzw. der Lehrerin über die Schülerinnen und Schüler, z.B. durch Repressionsmittel wie Tadel und Verweise, unterstützen den Effekt der Unterwerfung. Hinzu kommt, dass die staatlich diktierten Inhalte des Unterrichts den Interessen des Staates, also der Erhaltung der bestehenden Verhältnisse dienen. Es versteht sich von selbst, dass hier die Hoffnung auf eine gerechtere Welt gehemmt und abdressiert werden soll. So werden Tatsachen der Geschichte gern ausgelassen, Alternativen zum Kapitalismus und zur Herrschaft von Vornherein als utopisch ausgeschlossen. Alles um die herrschenden Zustände, vielleicht nicht als die Besten, aber doch zumindest als die Bestmöglichen darstellen.
Kurzum, die Schule reproduziert mit ihrem gesamten Ablauf und ihrer Funktionsweise die bestehenden Verhältnisse, entmenschlicht den Menschen zur Maschine, funktionsbereit für die Existenz in einem unmenschlichen System. Bei alledem bleibt uns nicht einmal die Wahl der Laufbahn über die schule auszuweichen, da zumindest bis zur 9ten Klasse eine weitgehend alternativenlose Schulpflicht besteht. So verkommt Bildung, statt eine Chance zur Weiterbildung der eigenen Person und der Gesellschaft zu sein, zu einem Repressionskomplex. Sie wird zu einem Zwang, wo sie ein Recht sein könnte, wird zu einem Mittel der Unterdrückung, statt eine Praxis der Befreiung zu sein.

Deshalb fordern wir Anarchistinnen und Anarchisten:

Abschaffung der Schulpflicht! Für ein freiwilliges, selbstverantwortliches Lernen! Bildung ist ein Recht, keine staatlich diktierte Verpflichtung.

Emanzipation der Schüler und Schülerinnen mit den Lehrerinnen und Lehrern! Weg mit den Druckmitteln! Für eine freie, gemeinsame und gemeinschaftliche Bildung.

Bildung für alle und zwar umsonst! Weg mit allen Differenzierungsmaßnahmen im Schulbetrieb, ob nach Leistungsfähigkeit, finanziellen Möglichkeiten oder sozialer oder nationaler Herkunft! Weg mit den Kosten für Lehrmittel und Studium!

Doch reicht es bei Weitem nicht aus nur an der Art und Weise der staatlichen Schule herum zu kritteln, resultieren diese doch aus den gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen. In einer Gesellschaft, die von Herrschaftsstrukturen bestimmt wird muss eine freie und menschliche Schule stets utopisch erscheinen und subversiv wirken. Es ist ersichtlich, dass eine unterdrückerische Gesellschaft nicht ohne unterdrückerische Schule existieren kann und umgekehrt. Jedes System das auf Macht beruht hat stets die Schule, die seine Macht reproduziert. Daher ist es illusorisch zu glauben es wäre möglich die Schule in eine humane und faire Einrichtung umzuformen ohne auch die Gesellschaft tiefgreifend zu verändern. Für den Kampf um ein Leben außerhalb von Herrschaft und Zwang, ob in der Schulzeit oder dem gesamten Leben, gilt es: Herrschaft in jedem Lebensbereich zu kritisieren und zu bekämpfen.

Bildet euch! Bildet andere! Bildet Banden! Setzt euch ein, für eine selbstverwaltete Bildung und Herzensbildung! Bildung ist eine Waffe. Nutzt sie!

Seid kritisch und solidarisch im Schulalltag! Lasst euch nicht vereinzeln und gegeneinander ausspielen! Fordert gemeinsam eure Emanzipation ein!

Lasst euch nicht zufrieden stellen! Alles ist möglich, wenn ihr es wollt. Auch wenn die Schule das Gegenteil behauptet.

transgenialer CSD 2006 – Redebeitrag

JA, Guten Tag erst mal, liebe Queers:

ich bin von der anarchistischen föderation in berlin und verlese hier ein grußwort!

wollen die anarchistInnen die republik ins chaos stürzen ?

in tiefer nacht, wenn die lichter der laternen die dunklen winkel nicht mehr erreichen, und die fassaden lange schatten werfen, gehen mysteriøse, schreckliche dinge vor.
durch die schlafende stadt huschen schwarzgekleidete gestalten mit tief in die fanatischen fratzen gezogenen schlapphüten und dämonischen sturmhauben.
sie unterminieren das friedliche gemeinwesen, verstecken gefährliches material und schreiben ihr schwarzes menetekel an die mauern.
weite umhänge und jacken verhüllen mühsam die waffenstarrende ausrüstung.
sprengstoff beult die taschen der düsteren gestalten.

leise ächzend werden schwere kisten voll waffen und munition in geheime keller und schlupfwinkel geschleppt, in denen verschwørerInnen tag und nacht, aufgeputscht von drogen, finstere, subversive pläne schmieden und am sturz der regierung arbeiten.
sie bereiten ihn vor, den großen schlag, den tag X.
an dem sie das feuer an die lunten legen, die zünder aktivieren und das teuflische werk zu vollenden trachten: die zerstørung jeder ordnung, den ausbruch des fürchterlichen gesetzlosen chaos‘, die willkürherrschaft der wirrkøpfe, plünderung, terror, mord und totschlag allenthalben … die grausamen, die wahnsinnigen anarchistInnen!

Das stimmt nicht alles – aber eines ist sicher:

Wir sind wirklich wahnsinnig !

Wir haben die wahnsinnige Vorstellung einer weltweiten Gemeinschaft ohne Zwang

Wir haben die verrückte Vision einer herrschaftsfreien Gesellschaft

Mensch sagt

Wer mit 18 nicht revolutionär ist, hat kein Herz
Wer mit 30 noch revolutionär ist, keinen Verstand

Wir sagen:

Wer mit 18 nicht sozialrevolutionär ist, ist spießig
Wer mit 30 nicht revolutionär ist, ist immer noch spießig! Und er hat weder Herz noch Verstand.

Deshalb haben wir uns am 1. Mai diesen Jahres zusammengefunden, um die anarchistische Förderation in Berlin zu gründen, die an keinem geringeren ziel mithelfen will als an der Errichtung einer auf freiwilligkeit und hierarchielosigkeit basierenden Ordnung, in der jeder Mensch gleich wichtig ist.

Vielleicht mögen einem manche Menschen wichtiger oder präsenter vorkommen, vor allem die, die das sagen haben oder den politischen diskurs bestimmen, der nichts weiter will, als den kapitalismus zu neuen höchstleistungen der menschlichen verwertung zu treiben und dabei rassistisch denkt, dabei sexistisch handelt.

Präsent sind wir aber schon heute, dass merkt eineR der herrschenden dann, wenn er auf dem selben Platz stehen will wie ich,

und der mainstream mit seinem commercial street day merkt, wenn er sich auf den schwulesbitransplatz, den politischen platz stellen will, den Platz des Stonewall-Inn-Riots einnehmen will:
Dort, meine damen und herrInnen, steht schon wer – der transgeniale csd.
der einzig echte wahre und dieses jahr einzige csd!

Und genau so soll irgendwann die bundeskanzlerin etwas regeln wollen und feststellen: mensch, da steht ja schon wer!
Da ist ja schon alles geregelt! Die leute haben sich selbst organisiert!

Falls sich also wer angesprochen fühlt vom libertären gedanken, wir suchen noch dringend anarchafeministInnen, SyndikalistInnen, kommunistische AnarchistInnen, PostanarchistInnen, Punks, Hippies, Libertäre, Genderkiller, und alle anderen, die keine Herrschaft mögen
zum mitmachen in der anarchistischen föderation!

Die übrigens hiermit noch mal klarstellen will, dass sie unterstützt, was hier passiert und was überall passieren soll, in warschau, moskau, hong kong und dallas, in teheran und überall sonst auf der welt:
zerstørung jeder ordnung, ausbruch fürchterlichen gesetzlosen chaos‘, willkürherrschaft der wirrkøpfe, plünderung, terror, mord totschlag … die grausame, die wahnsinnige

QUEEER REVOLUTION !