Archiv der Kategorie 'Texte'

»Dokument A 2012« erschienen

DokA2012 Zum sechsten Mal erscheint nun unser „Dokument A – Berliner anarchistisches Jahrbuch“, mit dem wir euch die anarchistischen Aktivitäten im Berlin des Jahres 2012 präsentieren.

Nachdem sich im August diesen Jahres, in St. Imier, Anarchist*innen aus der ganzen Welt versammelten, um zu debattieren und sich auszutauschen, und dieses Treffen auch in den Medien vielfach Beachtung erhielt, rückte der Anarchismus auch in diesem Jahr wieder in den Blickpunkt, nicht nur bei Menschen, die mit der Thematik vertraut sind, sondern auch viel mehr in der allgemeinen Öffentlichkeit.
(mehr…)

…für die anarchistische Idee eine gute Empfehlung

Eine Rezension des Berliner anarchistischen Jahrbuchs 2011
von Jochen Knoblauch

Als ich das Editorial des diesjährigen Berliner anarchistischen Jahrbuchs gelesen hatt wunderte ich mich etwas über die doch recht euphorische Sichtweise der Redakion. Selbstüberschätzung? Nicht unbedingt. Seit Monaten sind auch die bürgerlichen Zeitungen von Süddeutscher Zeitung oder FAZ bis zum Neuen Deutschland auf einmal mit den unterschiedlichsten libertären Themen bestückt: „Der unsichtbare Aufstand“, Stirner, Graeber, Occupy usw. Was ist da bloß los? Das Interesse an „horizontalen Hierarchien“, mehr Transparenz in Politk und Ökonomie ist spürbar auch im bürgerlichen Lager vermehrt angekommen (siehe auch „Stuttgart 21“). Alles Themen, die in den Diskussionen unter AnarchistInnen längst zur Tagesordnung gehören, bzw. ihnen inhärent sind.
(mehr…)

Krise einfach erklärt

Im Folgendem veröffentlichen wir einen Text der Gruppe Kriselotte (föderiert in der AFB). Den Text findet ihr zudem als Fingerbook in der neuen Rubrik „Material“. Dort sind auch weitere Veröffentlichungen der AFB, bzw. von in ihr föderierten Gruppen, verlinkt.

KRISE EINFACH ERKLÄRT

Was ist eigentlich Kapitalismus?
Keine einfache Frage! Wir versuchen sie in drei Fragen zu unterteilen.

Wo findet Kapitalismus statt?
Das System, nach dem unser Zusammenleben auf diesem Planeten organisiert ist, wird Kapitalismus genannt. Der Kapitalismus betraf in seinen Anfängen, vor etwa 300 Jahren, nur Rohstoffbeschaffung und einige Produktionsbereiche. Nach und nach dehnte sich der Kapitalismus in immer neue Regionen des Planeten und in immer neue Gesellschaftsbereiche aus. Immer neue Bereiche unseres Lebens werden nach und nach zur Ware gemacht. Heute hat der Kapitalismus Auswirkungen unter anderem auf Gesundheitssystem, Bildungssystem, Kultur, Medien, Politik, Immobilienmarkt, Altenpflege, Emissionshandel, Strom- und Wasserversorgung, ja sogar auf unser Denken. Auch unser Denken? Ja, da der Kapitalismus so viele Bereiche durchdringt, haben wir die kapitalistische Logik weitgehend verinnerlicht und können uns Alternativen kaum vorstellen.
(mehr…)

Oury Jalloh – das war Mord!

Am vergangenen Samstag ging die Polizei mit brutaler Gewalt gegen eine Gedenkdemonstration anlässlich des 7. Todestages Oury Jallohs vor. Oury Jalloh war 2005 im Polizeigewahrsam in Dessau verbrannt. Im folgenden dokumentieren wir die Pressemitteilung der „Initiative Oury Jalloh“ und eine Übersicht der noch kommenden Prozesstermine:

AKTUALISIERTE PROZESSTERMINE:
Kommende Prozesstermine sind:
Freitag, 13. Januar 2012, 09:30 Uhr
Donnerstag, 19. Januar 2012, 09:30 Uhr
Mittwoch, 25. Januar 2012, 09.30 Uhr
Donnerstag, 16. Februar 2012, 09.30 Uhr
Dienstag, 06. März 2012, 09.30 Uhr
Dienstag, 13. März 2012, 09.30 Uhr

Start vor dem Landgericht Magdeburg jeweils 9:30 Uhr, Halberstädterstr. 8, 39112 Magdeburg, Saal A23
Abfahrt von Berlin: gemeinsamer Treffpunkt 6:45 Uhr am Hinterausgang des Hotels PARK INN (Taxistand) am
S-Bahnhof Alexanderplatzz
Spenden für Zugtickets und Kleinbus willkommen.

PM der Initiative In Gedenken an Oury jalloh e.V

Anlässlich des 7. Todestages von Oury Jalloh gab es am gestrigen Sonnabend, den 7. Januar 2012, eine Demonstration in Dessau, um dem von der Polizei ermordeten Oury Jalloh zu gedenken. Dabei gab es vielfache, von der Polizei strategisch im Voraus geplante Übergriffe auf Aktivist_innen der Initiative und Unterstützer_innen. Mehrere Aktivist_innen wurden schwer verletzt.

Bereits in den Vormittagsstunden des 7. Januars legt sich ein Dunstschleier des Hohnes über den Ort, an dem Oury Jalloh vor sieben Jahren umgebracht wurde. Die Stadt Dessau-Roßlau, die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, die Kreisoberpfarrerin sowie mehrere Vereine riefen zu einer kleinen Mahnwache auf den Treppen des Polizeireviers auf. Anwesend waren auch der Polizeipräsident, der Obergeneralstaatsanwalt und der Oberbürgermeister der Stadt. Mit ihnen versammelten sich circa 30 weitere Menschen und heuchelten Trauer. Eine Demütigung der langjährigen Arbeit der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V., die nur Spott, Missachtung und Gewalt von Dessau erfährt, weil sie sich für eine gerechte Aufklärung des Mordes einsetzt.

Dass nicht Trauer sondern in Wahrheit Wiederholungsdrang in den Köpfen der Polizist_innen umhergeht, hat sich auf der gestrigen Demonstration der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. gezeigt, die ab 13 Uhr vom Hauptbahnhof Dessau ausgehend angemeldet war. Der gezielte Angriff der Polizei auf afrikanische Aktivisten der Initiative zeigt offen die Gesinnung der Polizei in Dessau und welches Ziel sie verfolgen: die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. zum Schweigen zu bringen.
(mehr…)

改道 Gǎi Dào Nr.10 – Monatszeitung des FdA

Liebe Leute,

mittlerweile ist die 10. Ausgabe der 改道 Gǎi Dào erschienen. Das ist die Monatszeitung des Forums deutschsprachiger Anarchist_innen (FdA), eines Zusammenschlusses verschiedener Gruppen, Netzwerke und Einzelpersonen im deutschsprachigen Raum (einschl. der Schweiz), dem die afb angehört und das wiederum Teil der Internationale der Anarchistischen Föderationen (IAF-IFA) ist.

Ihr findet hier eine Webversion und hier eine Druckversion (s/w) der Nummer 10.

Als kleinen Vorgeschmack bieten wir euch hier ein Interview, das von einem Mitglied der afb im Baskenland zur 15M-Bewegung geführt wurde. (mehr…)

Via Kapitulation Kapitalismus ins Jenseits befördern!

Erfahrungen vom Kongress „Jenseits des Wachstums“

Ihr geht als Anarchist_innen zum Attac-Kongress? Ja, warum nicht? Viele von uns beschäftigen sich mit möglichen Formen solidarischer Ökonomien nicht nur jenseits des Wachstums, sondern auch jenseits des Kapitalismus, ja sogar möglichst jenseits aller denkbaren Herrschaftsstrukturen. Auch das Anarchistische Radio Berlin behandelt aktuell diese Themen. Hier einige Ausschnitte vom Kongress, die uns interessiert haben und die wir mal einzeln, mal gemeinsam besucht haben.
(mehr…)

Anarchistische Buchmesse in Slowenien – ANAЯH

Ein Erfahrungsbericht aus Trbovlje

Von jt (afb)

Die slowenische Föderation für anarchistisches Organisieren (FAO) organisierte vom 13. bis 15. Mai 2011 in der ca. 50 Kilometer von Ljubljana entfernten Kleinstadt Trbovlje ihre erste anarchistische Buchmesse. Zum einen sollte mit der Durchführung eines anarchistischen Events außerhalb der Hauptstadt die Bewegung in der Region gestärkt werden, zum anderen wird damit die 2003 mit der ersten Balkan Bookfair begonnene Tradition anarchistischer Buchmessen in Slowenien fortgesetzt.

ANARH

Erste Eindrücke

Es war zunächst eine Handvoll Aktivist_innen der FAO, die am Freitagmorgen im Foyer des Arbeiter_innen-Heims „Delavski Dom“ in Trbovlje mit dem Aufbau der Messe beschäftigt war: Tische wurden zurechtgerückt, historische Plakatwände mit unzähligen Fotographien und alten und neuen Dokumenten liebevoll zusammengestellt. Die Buchmesse begann offiziell erst am späten Nachmittag, weshalb sich bis zum Mittag nur wenige Besucher_innen zeigten: ein Mitglied der französischen Federation Anarchiste (mit einer kleinen Bibliothek angereist), ein dänischer Hitchhiker, den es von Österreich hierher verschlagen hatte, sowie meine Wenigkeit (ausgestattet mit einer Auswahl an Dokument As der Anarchistischen Föderation Berlin – Gǎi Dàos hatte ich leider nicht zur Hand…). Anfangs gab es dementsprechend nur wenige Buchstände, was sich im Laufe des Freitags und bis Sonntag jedoch noch ändern sollte. (mehr…)

Berliner anarchistisches Jahrbuch 2010/2011 erschienen

Titel Dokument A 2010Die vierte Ausgabe des Berliner anarchistischen Jahrbuchs – Dokument Ⓐ – ist jetzt frisch gedruckt. Seit vier Jahren nun veröffentlichen wir – die Redaktionsgruppe der Anarchistischen Föderation Berlin (afb) – jeweils rückblickend Texte aus dem anarchistischen Spektrum. Der Hintergrund diese Unterfangens ist, euch einen kleinen Überblick zu verschaffen, was im vergangenen Jahr so los war: Welche Aktionen und Diskussionen es gab und welche Veranstaltungen und Kampagnen durchgeführt wurden. Das alles immer durch die schwarz-rote Brille betrachtet. Des weiteren soll das Jahrbuch auch eine Orientierungshilfe sein im “Szene-Dschungel”, indem wir euch (zumindest einige) anarchistische (oder anarchistisch beeinflusste) Gruppen und Initiativen näher bringen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht die temporäre Redaktion des Dokument Ⓐ.

Das neue Dokument A als PDF (3,5 MB)
(mehr…)

gǎidào – einen anderen Weg gehen

Das will das FdA mit seiner Zei­tung, einen Weg, der uns ge­ra­de­wegs in die wun­der­ba­re Welt der An­ar­chie füh­ren soll. Das Forum hofft, dass sich auf die­sem Weg, mög­lichst viele Men­schen an­schlie­ßen – viel­leicht ja auch DU?

Gaidao - einen andeen Weg gehen

Bereits zum vierten mal ist Gǎi Dào nun erschienen, mit Beiträgen zu Nordafrika, Europa, Faschismus, Zensus 2011, Gruppen und Organisationen und vielem mehr. Das FdA ist über fda-ifa @​ free .​ de zu er­rei­chen oder über den Blog: gaidao.​blogsport.​de, wo auch s/w-Printversionen abrufbar sind

Hier die Online-PDFs:

Gǎi Dào Nr. ​01 / 01.​2011
Gǎi Dào Nr. 02 / 02.2011
Gǎi Dào Nr. 03 / 03.2011
Gǎi Dào Nr. ​04 / 04.​2011

Keine Solidarität mit den „anarchistischen“ BriefbomberInnen

Statt eines eigenen Textes zu den Botschaftsanschlägen der „Informellen Anarchistischen Föderation“ in Rom möchten wir euch den der Libertären Aktion Winterthur vorstellen, den die AFB in seinen Kernaussagen teilt:

Anarchie Berlin
Die Frage der Gewalt spielte im anarchistischen Diskurs schon immer eine grosse Rolle. Sie sollte der urtümlichste und rohste Ausdruck von Macht mit der Lehre der Herrschaftslosigkeit in Einklang gebracht werden? Kann eine anarchistische, revolutionäre Strategie Gewalt beinhalten?

---- Keine Solidarität mit den „anarchistischen“ BriefbomberInnen ----
[Anmerkung: Dieses Communiqué bezieht sich bewusst nicht auf die letzten Anschläge vom 23. Dezember in Rom. Für uns scheint die anarchistische Urheberschaft fraglich, da sich wie bereits bei einer Anschlagsserie 2003 die ominöse „Federazione Anarchica Informale“ (FAI) dazu bekannte. Wohl kaum zufällig trägt diese dasselbe Kürzel wie die Federazione Anarchica Italiana, die sich bereits von den Ereignissen im Jahr 2003 schärfstens distanziert und den Verdacht geäussert hatte, dass es sich bei der anderen „FAI“ um eine staatliche Phantomorganisation handeln könnte. Tatsächlich lassen sich in der jüngeren italienischen Geschichte mehrere Beispiele finden, bei denen Attentate dieser Art unter falscher Flagge durchgeführt wurden. Erinnert sei nur an den durch den Staat in Auftrag gegebenen Bombenanschlag auf die Piazza Fontana in Mailand 1969, der den örtlichen AnarchistInnen in die Schuhe geschoben wurde. Auch lässt das Bekennerschreiben der „FAI“ zu den Anschlägen am 23.12. aufhorchen, in der es in für eine angeblich „informelle“ Organisation völlig untypischen Worten heisst: „Lang lebe FAI, lang lebe die Anarchie!“]

Die Frage der Gewalt spielte im anarchistischen Diskurs schon immer eine grosse Rolle. Wie sollte der urtümlichste und rohste Ausdruck von Macht mit der Lehre der Herrschaftslosigkeit in Einklang gebracht werden? Kann eine anarchistische, revolutionäre Strategie Gewalt beinhalten? Es ist davon auszugehen, dass der libertäre Weg, der immerhin die Enteignung der Besitzenden und die Überwindung materieller Privilegien beinhaltet, auf brutalen Widerstand derjenigen stossen wird, die sich diesen Gütern beraubt sehen. Ein Herrschaftsverhältnis beruht immer auf (unscheinbarem oder offensichtlichem) Zwang. Und dieser schliesst immer auch Gewalt ein, der wir nur als starke revolutionäre Massenbewegung entgegentreten können.

Doch sollten wir uns als bewusste Anarchistinnen und Anarchisten davor hüten, das Mittel der Gewalt zum Zweck werden zu lassen. „Die wahre anarchistische Gewalt hört auf, wo die Notwendigkeit der Verteidigung und der Befreiung aufhört. Sie wird durch das Bewusstsein getragen, dass die Individuen, einzeln betrachtet, wenig oder überhaupt nicht verantwortlich sind für die Position, die Erbe und Umwelt ihnen verschafft haben.“ Diese Worte vom italienischen Anarchisten Errico Malatesta haben auch fast Hundert Jahre nach ihrer Niederschrift nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Sie verbieten es, im Rahmen einer libertären Praxis FunktionsträgerInnen im Kapitalismus ihrer blossen Funktion Willen zu verletzen oder gar zu töten. Wie wir meinen, sollte das für jede Person mit einer anarchistischen Auffassung eine Selbstverständlichkeit sein.
(mehr…)